Farbholzschnitt »Vulkan« von Franziska Neubert (Detail)
BuchDruckKunst 2025: Herzblut und Werkschwarz
Das diesjährige Motto der 20. Verkaufsmesse für Erlesenes auf Papier macht deutlich, was die wesentlichen Voraussetzungen für die Tätigkeit der gut 60 teilnehmenden Aussteller sind: Die Begeisterung für Themen unterschiedlichster Art in Wort und Bild, die mit viel Liebe zum Detail in Verbindung mit handwerklichen Satz-, Druck- und Bindetechniken in oft außergewöhnliche Formen gebracht werden.
Werkschwarz, hergestellt aus Ruß und Leinöl, trocknet als Druckfarbe nur durch »Wegschlagen«, also durch Einziehen in das Papier. Es steht für den traditionellen Buchdruck, der im Museum der Arbeit von den Ehrenamtlichen des Grafischen Gewerbes anschaulich vorgeführt wird. Dazu gehören das manuelle Gießen von Bleilettern nach »Gutenberg-Art«, der Maschinensatz mit der Lino- und Monotype, das Fräsen von Holzlettern für Plakate und natürlich der Druck mit historischen Tiegel- und Schnellpressen.
Rot und Schwarz sind auch die Farben der Typografie. Das Motiv zur BuchDruckKunst 2025 stammt von Klaus Raasch, der minimalistisch nur zwei Schriftzeichen verwendete: Ein anthrazitfarbenes Ypsilon und ein Fragezeichen, dessen Bogen rot wie eine ewige Flamme aus einer Feuerschale lodert, während der dazugehörige Punkt offenkundig davon gerollt ist und in einem gedeckten Grün autark in einer imaginären Landschaft steht. Die Verwendung von Schriftzeichen aus der »Gill Sans« des englischen Bildhauers und Grafikers Eric Gill unterstreicht die poetische Klarheit des Bildes.
Ursprünglich erschien die Typografik 1998 als Farblinolschnitt auf dem Plakat zur Ausstellung »BuchDruckKunst« von Klaus Raasch in der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky. Der Titel wurde von Stefan Bartkowiak für die – zeitgleich mit der Eröffnung des Museums der Arbeit – neugegründete Norddeutsche Handpressenmesse übernommen und steht bis heute repräsentativ für die deutschsprachige Buchkunst-Szene.
Mit der erneuten Verwendung des Motivs verabschiedet sich Klaus Raasch von der Messe, die er seit 1997 gestalterisch begleitet und seit 2016 eigenständig organisiert hat. Mit einem neuen Team und frischen Ideen wird es jährlich zur gewohnten Zeit weitergehen …
Für eine neue Generation von innovativen Druckern stehen Martin Schneider und Dominik Schmitz, zwei Designer aus Köln, mit ihrem OPEN PRESS PROJECT. Schneider entwarf 2018 die erste Version der OPEN PRESS als Teil einer Prüfung an seiner Universität, der Köln International School of Design. Seine Idee war es, eine funktionale Druckpresse zu entwerfen, die mit einem normalen 3D-Drucker hergestellt werden kann. Die Dateien dafür veröffentlichte er als Open Source, um Menschen den Zugang zu Techniken wie Radierung, Gravur, Kaltnadel und anderen Tiefdrucktechniken zu erleichtern. Vor dem OPEN PRESS PROJECT waren diese Techniken in der Regel nur mit großen Radierpressen möglich – aber diese sind sehr teuer, schwer zu transportieren und können ziemlich einschüchternd wirken. Eine winzige Version dieser Presse aus Kunststoff auf Maisstärkebasis würde die Hürde für den Druck von Radierungen & Co. senken, dachte Schneider. Und er stieß auf ein überwältigendes Echo: Menschen aus aller Welt begannen, ihre eigenen Pressen in verschiedenen Farben zu drucken …
Auch Daniel Klotz geht als gelernter Buchdrucker neue Wege. Er betreibt seine Manufaktur DIE LETTERTYPEN in Berlin nach dem Motto: Nichts ist so modern wie die Technik von gestern. Auf der einen Seite steht das klassische Druckhandwerk mit historischen Maschinen, die größte davon »Johanna«, eine Johannisberger Schnellpresse von 1924, die ein Bogenformat über 120 x 80 cm spielend bewältigt. Auf der anderen Seite kommen für Mengensatz und Abbildungen digitale Technologien zum Einsatz, wie z. B. laserbelichtete Polymerklischees. Die »Schwarze Kunst« wird also hybrid …
Stiftung Historische Museen Hamburg | Museum der Arbeit
Freitag, 4. 4. 2025: 17 – 21 Uhr, Eintritt 9.- Euro
Samstag, 5. 4. 2025: 10 – 18 Uhr, Eintritt 12.- Euro, erm. 9.- Euro
Sonntag, 6. 4. 2025: 10 – 17 Uhr, Eintritt 12.- Euro, erm. 9.- Euro
Im Eintritt ist ein Aussteller-Verzeichnis mit repräsentativen Abbildungen enthalten.
Hier können Sie das Messe-Motiv laden: Klaus Raasch: Typografik
Hier können Sie das Messe-Motiv laden: Klaus Raasch: Typografik
Hier können Sie weitere Bilder für Ihre Publikationen – mit Angabe des Copyrights! – finden und in druckfähiger Auflösung herunterladen (siehe Links unter der Galerie):
Susanne Kauth: Freistil (Postkarte © Blinkfüer Susanne Kauth)
Dirk Lange: Handmarmorpapier (Porträt © Marietta Hagedorn)
John Gerard: Papierobjekt (© John Gerard Paperworks)
Franziska Neubert: Vulkan (Farbholzschnitt © Franziska Neubert)
Logbuch: Der Vampyr (Buch © Logbuch Bremen)
Tina Flau: Schmetterling (Marmoriertes Papier © Tina Flau)
Andrea Rausch: Frühlingsglück (Siebdruck © Andrea Rausch)
Buchdrucker Walter Fischer (© Foto: Klaus Raasch)
Bleisatz-Poesie (© Foto: Klaus Raasch)
Maschinensatz mit Gerhard Stahl (© Foto: Klaus Raasch)
Linotype-Matrizen (© Foto: Klaus Raasch)
Holzletternfräse (© Foto: Klaus Raasch)
Rolf Lock: New York Alphabet (Kalligrafie © Rolf Lock)